Tag 4 – Bückeburg nach Bad Karlshafen

Weserufer mit Auerochsen

Weserufer mit Auerochsen

Vom Weser der Sache.

Auf die (leidige?) Reichweiten-Geschwindigkeits-Index-Diskussion von gestern gehe ich zu einem anderen Zeitpunkt noch mal näher ein. Warum? Heute war ein ‚untypischer’ Tag. Viel gebummelt, kommuniziert (auch auf der Stecke – s. Videos) und sogar einige kleinere Steigungen bewältigt, so dass das Bild von Verbrauch und Zusammenhang mit dem Speed verwässern.

Nur soviel: es deutet sich an, dass man bei Schnitt 25 km/h wohl 65 km, vielleicht 70 km kommen kann.

Und das in 2,5 Stunden, was auf der Holzbank (wer um Himmels Willen hatte die Idee, auf einem Crosser die Welt zu umrunden….?) kaum zu machen ist. Das heißt man wird in jedem Fall VOR der Diode des Todes nach einer Lade- und Rastmöglichkeit Ausschau halten. Da ich zudem heute die meiste Zeit auf dem Weser-Fernfahrradweg (Warum? Sehts Euch an!!) unterwegs war, war Bummeln bzw. rücksichtsvolles Fahren angezeigt. Das war mal wichtiger als öde Mathematik!

Cornel und Robby von der Jagdwirtschaft zu Holzminden

Cornel und Robby von der Jagdwirtschaft zu Holzminden


Die Strecke: Bückeburg nach Hameln/Kirchohsen. Netter Imbiss für beide bei Imbiss Schaper. Weiter an der Weser und einem AKW vorbei nach Holzminden zur dortigen Forstwirtschaft. Nette Plaudereien mit Ronny und Cornel. So nett, dass ich das Zahlen vergass. Sorry dafür! Schlussspurt nach Bad Karlshafen. Jüngster Gast im Hotel. Kurort, eben.

Heutiges Thema: Wie reagieren die Menschen auf meine beziehungsweise unsere Erscheinung, die Frage um Strom oder beim Plaudern an der Pferdekoppel?

Dazu gibt es drei Phasen:

1. Erstaunen, Verwunderungen, Verärgerung

Man kann das, was man sieht, hört oder von mir erläutert bekommt, zunächst nicht einordnen. Die Mimiken drücken Skepsis, mitunter Ablehnung aus. Radfahrer, denen ich heute auf der schönen Ufertrasse weder mein Bike noch mein Vorhaben näher bringen konnte, machten schon mal finstere Mimen. (Man höre auch die Stimme des kritischen Herrn im ‚Lama-Video’!). Das ‚martialische’ Äußere der Quantya erinnert die meisten doch zu sehr an ‚lärmende Stinker’ etc. Doch auch die angesprochenen ‚Stromspender’ gingen irgendwie durch diese Phase. Sie dauerte dann eben nicht sehr lange.

2. Weich werden

Wenn erstmal das Prinzip verstanden und/oder meine ‚Mission’ knapp rübergebracht werden konnte, geschieht etwas sehr bedeutsames – fast wie ein ‚magic moment’. Man kommt näher, will mehr sehen, mehr erfahren, stellt die (üblichen, verständlichen) Fragen nach der – ja – Reichweite, Leistung, Speed etc. Es stellt sich ein Gesprächs-Modus ein, in dem beide Seiten sich auf einmal Zeit nehmen, auch Details werden bemerkt, erklärt.

Es ist, als ob von der Quantya etwas ausgeht, das anzieht, ohne Angst oder scheu zu machen. Wie ein zwar unbekanntes, aber potenziell ‚liebes’ Tier, dass man auch gerne mal streicheln will. Aber erst mal wird der ‚Besitzer’ nach mehr Infos befragt. Die Lautlosigkeit wirkt irgendwie auf die Menschen sanft, nett, ohne Arg und Aggression. Man kann sich prinzipiell wie konkret damit beschäftigen und hat ein ‚gutes Gefühl’ dabei.

So als wenn ‚durch das Quantya’ hindurch etwas schimmert. Die Ahnung einer ganz anderen Art der Fortbewegung, des ‚Verkehrens’? Wo nicht stark gegen schwach, arm gegen reich, gross gegen klein, langsam gegen schnell antreten? Wer weiß. Das wird mich noch beschäftigen. Es ist einfach da, dieser Moment, wenn der Argwohn kippt. NIEMALS bisher hat jemand auch nur gezögert, mir den erbetenen Strom zu geben. Naja in Husum vielleicht. Aber da haben wir schnell eine Lösung dafür gefunden, dass das Kabel nicht quer durch Gaststube und Vorplatz gespannt werden musste.

3. Vertraut werden

Verblüffend schnell werden die Gespräche, der Ton und die Mitteilungen vertraulicher, geht es vom Sie zum Du und werden offen und frei Gedanken ausgetauscht. Auch eine Videobotschaft wir so innerhalb von Minuten kurz vereinbart und abgegeben (Hallo Ronny, noch mal sorry für die unfreiwilige Zechprellerei…). Nun könnte ich mir diese Meriten ja als ‚Kölscher Jung’ auch selbst anheften. Von wegen lustiger Typ, kommunikations-freudig etc. Aber ich kenne mich ja auch schon ein paar Jahre und merke deshalb also ganz gut, dass die Quantya so etwas wie ein ‚Medium’ oder Katalysator für diese besondere Nähe und Vertrautheit ist.

Für morgen nehme ich mir vor, etwas zu ‚meinem Fahrgefühl’ aufzuschreiben. Soviel vorweg: Es hat auch was mit ‚sich wie ein Hobbit’ zu fühlen und ‚durchs Auenland’ zu reisen ;-))

Tag 4: ca. 147 kms (57+38+52); 350 Minuten Fahrzeit.

Vorkommnisse: Zwei Bitten an die Industrie bzg. E-Mobilen:

Seid ehrlich, was die Angaben zur Reichweite, Höchst-Geschwindigkeit und vor allem den Zusammenhang zwischen beiden Parametern angeht. Anders als beim Verbrenner, wo schnelles Tanken + sofortiges Weiterfahren (dazu noch praktisch überall) möglich ist, werden die Leute im Falle ‚E’ diese Toleranz nicht aufbringen. Machen in diesem Falle Flunkereien die Runde, heist es bald: E-Mobilität ist das neue E10  – und auch das wollte keiner!!

Die zweite Bitte an die 2-Rad-Hersteller: Bitte einen geschlossenen Kettenkasten oder Zahnriemen. Wenn schon leise, dann richtig. Kein Vorwurf hier an Quantya – die Dinger sind für die Rundstrecke gedacht und nicht als Tourer am Weserufer….

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1 Response to Tag 4 – Bückeburg nach Bad Karlshafen

  1. Karsten sagt:

    Hallo aus Schleswig-Holstein!

    Durch Motorrad-Online bin ich auf deine Seite und Tagebuch gestoßen und habe mich gerade durch die ersten 4 Tage deiner Tour geschlungen. Sehr interessant!

    Vor lachen beinahe vom Stuhl gefallen, bin ich bei der Frage an die Spaziergänger, ob es sie stören würde wenn du dort entlang fährst und das du ja nach den Vögeln lauscht. Wenn ich mir vorstelle wie ich auf meinem Motorrad dort gestanden hätte, hätten sie wohl aufgrund des „Lärms“ nicht mal die Frage verstanden.

    Die Geschichte aus dem Lama-Video mit der Geschwindigkeit fand ich im übrigen auch sehr sehr köstlich :-)

    Danke für die klasse Berichterstattung, deinen Ausflug werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen.

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